Große und Kleine Flieger

Heute (Sonntag) morgen, so gegen 8:15 Uhr ging ich mit meinem Hund umher und ich sah am Himmel irgendwo zwischen Reinbek und Oststeinbek einen Gleitschirm mit Motorantrieb in vielleicht 500m Höhe fliegen. Es war ein schönes Bild und ein bischen neidisch war ich schon, denn es war noch komplett windstill und es muss ein schöner Flug gewesen sein.

Wahrscheinlich hat der Pilot auch nichts unerlaubtes getan, beginnt doch die Kontrollzone (Luftraum D) von Hamburg erst westlich vom Autobahnkreuz HH-Ost und der Luftraum Charlie dort erst über 2500 Fuß (ca. 750m über Meeresspiegel).
Nachdenklich wurde ich erst, als nicht weit von ihm und etwas über ihm ein Linienflugzeug, vermutlich eine Boeing 737, im Anflug auf Hamburg seinen Flugweg kreuzte.

Der Jet hatte vielleicht eine Flughöhe von 3000 Fuß (ca. 900m) und wurde vermutlich vom Hamburger Radarlotsen per Radar-Vektoren zu seinem Endanflug auf die Piste 23 gebracht. Entweder sollte er das ILS herunterfliegen, bei dem schönen Wetter wäre allerdings auch ein sog. „Visual Approach“ - also ein Anflug nach Sicht möglich.

Bitte bedenkt, dass so ein Jet mit deutlich über 150 Knoten unterwegs ist - also pro Minute mehr als 2.5 Nautische Meilen zurücklegt (4,5km). Die Piloten sollten zwar aus dem Fenster gucken, haben aber in der letzten Flugphase eine Menge zu tun und sind daher oft mit anderen Sachen beschäftigt und vertrauen auf ihren Autopiloten, die Staffelung durch den Radarlotsen im Luftraum Charlie und ihren Instrumenten. Von dem Gleitschirm weiss aber der Radarlotse nichts und auf den Instrumenten (TCAS oder Radar) ist ein Gleitschirm auch nicht zu sehen. Selbst wenn der Jet in einigem Abstand über einen Schirm hinwegsaust, hinterlässt er unsichtbare Spuren: Die Wirbelschleppen (http://de.wikipedia.org/wiki/Wirbelschleppe und http://www.airliners.net/photo/1300508/). Diese Dinger können äusserst hartnäckig die Luft herumwirbeln und haben genug Energie kleine Flugzeuge ohne Vorwarnung auf den Rücken zu werfen und Gleitschirme zusammenzufalten.

Wirbelschleppen sinken langsam zu Boden, wandern vom Verursacher langsam nach aussen und treiben mit dem Wind. Sie sind um so stärker, je mehr Auftrieb ein Flügel erzeugt und können mehrere Minuten lang wirbeln. Für kleine Fluggeräte sind die wirklich gefährlich.

Bitte fliegt vorsichtig in der Umgebung von Verkehrsflughäfen!

Torsten
(früher Drachen-, heute Flugzeugpilot)