Eine SANFTE Methode zum Lernen des Windenstarts

Total toll! Super! Oberaffen toll!!

Am Samstag, den 27.10 haben Axel, Andreas und ich vier GS - Piloten die ersten Schritte am Seil mit einer sehr SANFTEN Methode gezeigt.

Vorgeschichte
Immer wieder stellt man fest, daß viele Piloten übermäßigen Respekt, Streß oder sogar Angst vor dem Schlepp haben, obwohl es gute GS- Piloten sind. In Gesprächen kommen die Aussagen: Wenn ich mich aus der Zwangsjacke „Seil“ ausgeklinkt habe, kann ich unbeschwert fliegen.
Übermäßiger Streß bindet Denkleistung und schränkt das Handeln ein. Eingeschränktes Handeln führt zu Unfällen. Meist wurden die negativen Erlebnisse in der Ausbildung gesammelt und haben sich in unser Gehirn eingebrannt.

Unsere Zielsetzung:
Wir wollen mit einer SANFTEN Methode die neuen Schüler spielerisch und relaxt an das Seil gewöhnen. Jeder Streß soll verhindert werden. Ängste auch im geringsten Maß, dürfen auf keinen Fall aufkommen.
Hierzu haben wir vier Schritte gewählt. Die Schritte sollen eine allmähliche Steigerung bedeuten. Der zeitliche Ablauf zum nächsten Schritt wurde durch die Schüler SELBST bestimmt. Dahinter steckt natürlich Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Das sind unerläßliche Werte beim Fliegen!

Die vier Schritte:

  1. Aufziehen des Schirms
    Die Schüler sollten erst einmal wieder spüren was SIE mit dem Schirm MACHEN und wie er ihnen ANTWORTET.
    Dieser erste Einstieg wurde gewählt, weil einige Schüler gerade den A - Schein gemacht haben. Sie haben zwar die Scheine, können aber nicht fliegen. Ein anderer Schüler hatte seine Tüte seit April nicht mehr in der Hand.

  2. Handstart mit geringem Wind
    Genial! Der Wind tat uns den Gefallen. Mit wenig Wind wurde die ganze Startprozedur DURCHGESPIELT. Wenn zwei Leute am Seil ziehen, hat das ganze eine spielerische und entspannte Atmosphäre. Die Laufsklaven spüren auch die wirkenden Kräfte und entwickeln Verständnis für sie. Bei wenig Wind reicht die Geschwindigkeit und die Kraft von dem Laufteam nicht aus, den Piloten in die Luft zu bekommen. Der Pilot mußte zwangsweise laufen!! Keiner kam auf die Idee sich in den Sitzgurt zu setzen. Prima !! Automatisch und zwangsweise wurde die Laufbereitschaft gelehrt. Das Unterlaufen und das Steuern wurde immer unbewußter.

  3. Handstart mit etwas mehr Wind (10 km/h ??) 1. Steigerung
    Prima !! Gleiche Prozedur. Aber: Wegen des etwas stärkerem Wind konnte man etwas abheben. Nur ganz sanft, ohne Streß, ganz geschmeidig. Die ersten zaghaften Steuerversuche wurden in einer Höhe von ein bis maximal zwei Meter über Grund vorgenommen. Diese Höhe ist absolut sicher. Hier konnte nichts passieren !!! Das spürten die Piloten. In dieser geringen Höhe kommt kein Streß auf.

  4. Nun gingen die Piloten an das Seil der Winde. 2. Steigerung
    Axel hat eine „goldenes Händchen“ an der Winde !! Genial !!!
    Gleiche Prozedur ! Mit dem kleinen Unterschied, daß die Piloten jetzt an der Winde hingen, und von Axel total sanft gezogen wurden.
    Ähnlich wie beim Handstart mit etwas Wind hoben sie ab. Sie waren nur ein bis zwei Meter hoch. Ganz sanft und streßfrei. Dann wurden sie wieder abgesetzt. Sie mußten wieder einige Schritte laufen. Schweben und steuern, dann wieder laufen. Die Piloten spürten, daß sie allein durch die etwas stärkere Zugkraft des Seils wieder abhoben. Keiner bremste an !!! Auf ca. 150 m hatten sie mehrere Male hintereinander das Vergnügen zu starten, zu landen, zu laufen usw. Dieses „Touch - and - go“ wird in der Motorfliegerei schon längst praktiziert, um den heikelsten Punkte der Fliegerei - das Starten und Landen - intensiv zu schulen. Auch bei unserem „Touch - and - go“ des Windenschlepps war eine enorm hohe Übungsintensität mit einem sehr hohen Lern- und Automatisierungserfolg gegeben.

Das war unser erster Ausbildungstag.

Im Anschluß an diese vier Vorübungen erfolgen die üblichen Flachschlepps und danach die Schlepps.

Fazit:
Ich freue mich wahnsinnig, daß der Verein einen Beitrag dazu geleistet hat, neue Wege zu beschreiten. Wir haben vier Piloten die Möglichkeit geschenkt, mit Spaß, unbekümmert und streßfrei sich sanft an den Windenstart zu gewöhnen. Diese Piloten haben während der Ausbildung keine negativen Erfahrungen am Seil gemacht.
Nur ein Verein kann so eine Arbeit leisten. Kommerzielle Schulen, bei denen die wirtschaftlichen Zwänge eine große Rolle spielen, können so eine zeitaufwendige Arbeit nicht leisten.
Hier hat der Verein exemplarisch etwas Großartiges geleistet. Hier sind wir auf einem guten Weg. Ich bin froh, daß ich hier mitwirken durfte.

Piet

Und zum Schluß noch ein paar Bilder.
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Hallo Axel , hallo Piet
klasse, was ihr da gemacht habt.

Geht so etwas , dieses flach schleppen und wieder aufsetzen und wieder in 2m Höhe über Grund usw. nicht auch irgendwie modifiziert mit Drachen?
Will nächstes Jahr auch an die Winde und habe ziemlichen Respekt vor den Aufgaben die beim normalen Start alle auf einmal zu tun sind. Dieses sich an den Seilzug und das Abheben gewöhnen klingt stressfreier.

lG Klaus

Hallo Klaus,

schöne Bilder hat da der Piet gemacht.
„Zufällig“ treffe ich Piet im Hotel Ilsenburg im Harz beim Windenfachlehrerlehrgang vor 2 Wochen mit Horst Barthelmes! Schade Piet, dass Du nach dem ersten Tag schon wieder fahren musstest: wir haben am zweiten Tag genau diese Art des Ausbildungsbeginns durchgeführt:

Ein Riesenspaß: ich lasse mir von Knut Jäger zum allerersten Mal im Leben einen Gleitschirm „anschnallen“ (bislang nie näher als ca. 1,20 Meter an einen Gleitschirm herangekommen) und nach 2 Aufziehübungen schleppen mich 2 angehende Windenfachlehrer in 2 Meter Höhe über die Wiese in Stapelburg.
Sowas von stressfrei und deshalb natürlich absolut spaßig.

Ob das auch mit dem Drachen geht?
Das ist mein Ziel, dieses Low and Slow auch mit dem Drachen durchzuführen.
Das Ganze ist sogar noch einfacher als beim Gleitschirm: die ganze Aufziehproblematik einer Gleitschirmkappe entfällt völlig, da der (Spezial) Drachen ja schon vor dem Start seine flugfertige Form besitzt.

Ich werde beim DHV ein entsprechendes „Low and Slow“ Erprobungsprogramm beantragen und im nächsten Jahr in Neustadt-Glewe die Ausbildung von Drachenfliegern so beginnen.

Hier ein paar Fotos von diesem Programm, das in den USA entwickelt worden ist.

Gruß Andreas
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Hallo Andreas

schön mal wieder was von dir zu hören. Ja ich ahnte es, dass sich da was tut , ich glaube wir sprachen ja auch mal drüber. Sieht jedenfalls ziemlich stressfrei aus.

lieben Gruß in die Hauptstadt

Klaus

Hallo Piet,

finde ich super, was ihr da gemacht habt!

Ist vielleicht nicht nur für Neulinge. Man beobachtet immer wieder ein zu frühes reinsetzen oder ein sich nach vorne schmeißen (Drachenpiloten).
Wieder das bewußte Erlaufen erleben ist gut für alle…

Ich kann mich an so eine (unfreiwillige) Übung erinnern: in dem Moment wo ich am Seil loslief, änderte sich der Wind von Nullwind auf leichtes Rückenwind. Ich musste wie ein bekloppter laufen und hatte das Gefühl die Winde sieht nicht richtig an. Dann wurde es zu Flachschlepp und ich habe irgendwann genervt ausgeklinkt.
War eine gute Lauf-Übung :wink:

Grüße

Roberto